4,5 Blätter · Historische Romane

Rezension – Die fremde Königin

Band 2: Die fremde Königin

Die fremde Königin


Autorin:
Rebecca Gablé
Originaltitel: Die fremde Königin
Seitenzahl: 768
Verlag: Bastei Lübbe
Genre: historischer Roman
Preis: 26,00€

 

Erster Satz

„Wenn ihr leben wollt, müsst ihr graben“, raunte der Mönch in dem ausgefransten, staubigen Habit.

Inhalt
Es wird das Jahr 951 geschrieben. Adelheid, die Königin von Italien, ist in Gefangenschaft und es scheint, als würde sie dieser nicht allzu bald entrinnen.
Gaidemar ist ein Bastard und ein junger Panzerreiter aus König Ottos Reiterlegion. Er bekommt den Auftrag, die italienische Königin zu befreien. Adelheid entkommt und flieht zusammen mit Gaidemar Richtung Deutschland.
Durch die geglückte Flucht steigt Gaidemar in der Gunst der Königin, dennoch ist sein Leben kein Zuckerschlecken. Sein Ziehbruder und der Bruder des Königs sind ihm nicht wohlgesonnen und mehr als nur einmal muss Gaidemar darauf achten, ihnen nicht zu nahe zu kommen. Auch beim König selbst, genießt er kein allzu hohes Ansehen.
Mit einem Sieg am Lechfeld ändert sich allerdings einiges und Gaidemar hofft, durch die Verlobung mit der Tochter eines mächtigen Slawenfürsten, endlich sein Erbe als Bastard hinter sich zu lassen.
Was Königin Adelheid betrifft, scheinen sich die Ereignisse beruhigt zu haben – bis zu einem Besuch in Rom.

Schreib-Stil
Ich mag den Schreibstil von Rebecca Gablé sehr. Sie schreibt anschaulich und mit viel Einfühlungsvermögen. Ich konnte mich gut in jeden Charakter hineinversetzen, auch wenn ich die ein oder andere Reaktion nicht immer ganz nachvollziehen konnte.

Charaktere
Gaidemar: Gaidemar ist ein Bastard unbekannter Herkunft. Seine Ziehfamilie hat ihn zwar immer akzeptiert, aber die echte Liebe einer Familie hat er dort nie gespürt. Die Reiterlegion des Königs ist alles für ihn. Er ist ein erfahrener, guter Soldat und hat schon in so mancher Schlacht gekämpft. Eine eigene Familie hat er noch nicht gegründet und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es dazu kommt. Seine Mutter hat Gaidemar nie kennen gelernt und an seinen Vater erinnert er sich nur schemenhaft: Eine verhüllte Gestalt, die ihn ab und zu bei seiner Ziehfamilie besucht hat. Immer im Schutz der Nacht, das Gesicht unter einer Kapuze verborgen. Gaidemar vermutet, dass er der Sohn eines reichen, gar mächtigen Edelmannes ist  – wenn nicht sogar von König Otto selbst – denn für seine Ausbildung und seine Waffen wurde immer, mehr als ausreichend, gesorgt.
Gaidemar war mir sofort sympathisch. Er ist ein liebenswürdiger Soldat, dem seine Ehre über alles geht. Auf ihn und sein Wort ist Verlass.

Luidolf: Luidolf ist der Sohn von König Otto und der Herzog von Schwaben. Er ist nicht besonders gut auf Henning, den Bruder des Königs zu sprechen und zwischen ihnen herrscht immer eine Art Wettkampf um die Gunst des Königs. Im Grunde ist Luidolf ein netter Kerl, doch einige seiner Entscheidungen machen ihm das Leben schwer. Dennoch mochte ich ihn von den ersten Seiten an und nicht nur, weil er Gaidemar gegenüber so nett war.

Henning: Henning ist der Bruder des Königs und eine Person, die man einfach nicht mögen kann. Er ist hinterhältig und fies und hat schon mehrmals versucht, den König vom Thron zu stürzen. Dennoch verzeiht ihm der König so gut wie alles und das nutzt Henning schamlos aus.

Cover und Titel
Das Cover gefällt mir richtig gut. Es hat einen dunklen Hintergrund und ist mit goldenen Verzierungen eingefasst. In der Mitte sieht man eine goldene Krone, oder doch einen Armreif?, mit Edelsteinen besetzt und glitzernd. Darunter steht der Titel „Die fremde Königin“, der sehr gut zu dem Roman passt, denn Adelheid ist eine fremde Königin, die nach Deutschland kommt.

Fazit
Rebecca Gablé ist eine meiner Lieblingsautorinnen und hat mal wieder einen absolut tollen, historischen Roman, mit klasse eingebundenem geschichtlichen Hintergrund, geschrieben. Eine Inhaltsangabe zu diesem Roman zu schreiben, fiel mir ziemlich schwer. Nicht, weil der Roman etwa schlecht wäre, sondern weil ich nicht wusste, wie ich all die Geschehnisse in Sätze packen soll, ohne euch zu spoilern – zumal viele Ereignisse aus dem Roman ja tatsächlich stattgefunden haben.
Man erlebt die Zeit aus der Sicht von mehreren Personen. Immer wieder taucht man von einem Hauptcharakter in einen anderen, was einen umfassenden Einblick in die damalige Zeit ermöglicht. So erlebt man das Geschehen aus der Sicht der italienischen Königin Adelheid, aus Gaidemars aber auch aus der von Luidolf und noch manch anderem.
Besonders gefällt mir bei Rebecca Gablé immer, dass sie historische Ereignisse recherchiert und diese so detaillgetreu wie möglich in ihren Roman einbaut. Dennoch lässt sie Raum für Fiktionen, etwa indem, dass sie eigene Figuren in die Geschichte einfließen lässt. Wie immer bekommt man einen tollen Einblick in die damalige Zeit und kann sich ein Bild davon machen, wie es damals zuging, welche Probleme es gab und womit die Menschen zu kämpfen hatten. Man lernt die Welt der Ottonen kennen und erfährt, wie Deutschland zur damaligen Zeit schon geprägt wurde.
Einige Ereignisse haben mich schockiert, andere ließen mir gar keine Ruhe mehr und ich musste einfach weiterlesen, bis ich in bestimmten Sachen Gewissheit hatte.
Ich finde, hier geht es zentral eher um Gaidemar und seinen Werdegang, aber natürlich auch um den der italienischen Königin. Eine romantische Liebesgeschichte darf man nicht unbedingt erwarten, da es in dem Roman vorrangig nicht um die Liebe geht. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt ;).
Was ich noch anfügen möchte: Auch wenn „Die fremde Königin“ der zweite Teil ist, kann man ihn gut lesen, ohne „Das Haupt der Welt“ bereits zu kennen. Natürlich ist ein umfassender geschichtlicher Hintergrund und das Wissen um die Ereignisse vor diesem Roman nicht schlecht, aber, wie ich finde, kein Muss. Ich selbst habe „Das Haupt der Welt“ vor einiger Zeit gelesen und die Ereignisse waren bestimmt nicht mehr aktuell präsent, trotzdem bin ich gut mitgekommen, da das Buch auch immer wieder die Vergangenheit aufgreift.

Ich kann euch nur sagen, wenn ihr historische Romane mögt und noch nie einen von Rebecca Gablé gelesen habt, dann müsst ihr das unbedingt nachholen!

Lieblingszitat

„Ich kenne dich mit all deinen Licht- und Schattenseiten. […] und ich liebe dich genau so, wie du bist. Ich wollte dich nicht anders.“

– Adelheid, S. 432f

Würden wir dort gerne leben?
Auch wenn ich historische Romane liebe, wäre mir diese Zeit, glaube ich, ein wenig zu rauh um dort leben zu wollen.

 

 

Quelle Zitate – Autorin: Rebecca Gablé. Titel: Die fremde Königin. Verlag: Bastei Lübbe.

An dieser Stelle noch mal ein ♥-liches Dankeschön an Lovelybooks für die Möglichkeit an dieser Leserunde teilzunehmen!

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